Alttextilien - Container und Kleiderkammern

Altkleider-Container in BerlinInhalt

 

 

 

 

 

 

In Deutschland werden laut Angaben des Bundesverbands Sekundärrohstoffe und Entsorgung (BVSE) jährlich etwa 750.000 Tonnen Altkleider und -Schuhe eingesammelt. Schätzungen gehen sogar von ungefähr 1.126.000 Tonnen verfügbaren Alttextilien aus. Das heißt: Etwa 30% der möglicherweise noch trag- oder wiederverwertbaren Kleidung wird weggeworfen. In Berlin  werden täglich 100 Tonnen eingesammelt. Das entspricht etwa 12 Kilo Textilien und 8 Paar Schuhen pro Berliner Bürger. (Quelle: altkleiderspenden.de)

Soziale Einrichtungen und kommerzielle Verwertungsunternehmen sammeln in Altkleiderkammern oder per Container einen großen Teil der gebrauchten Kleider ein. Die Stellplätze der zahlreichen Container im Berliner Straßenland müssen (eigentlich) bei der Stadt angemeldet, von ihr genehmigt und registriert werden.

 

Wohin nun mit den Klamotten?

Werfen Sie Kleidung, die Sie nicht mehr tragen, nicht in den Müll, sondern geben Sie sie bei einer Sammelstelle ab. So werden Ressourcen eingespart und Schadstofferzeugung bei der Textilproduktion vermieden.

Noch gut tragbare Textilien geben Sie am besten in einer Kleiderkammer einer sozialen Organisation ab. Hier kommen die Altkleiderspenden - soweit Abnehmer gefunden werden - Bedürftigen vor Ort zugute. Sie können auch versuchen, Ihre Alttextilien hoher Qualität in Second-Hand-Shops oder Internet-Second-Hand-Börsen zu verkaufen. Tausch- und Verschenkinitiativen bieten eine weitere Möglichkeit, durch Wiederverwendung Ihrer Textilien einen ökologisch sinnvollen Beitrag zu leisten.

 

Exkurs: Berliner Stadtmission - Kältehilfe

Sie können noch intakte Altkleider auch bei der Stadtmission für die Kältehilfe abgeben.

In Berlin leben etwa 11.000 Menschen ohne Wohnung. Nicht jedem sieht man es auf den ersten Blick an. Diesen Menschen hilft die Berliner Stadtmission mit ihrer Kältehilfe vom 1. November eines jeden Jahres bis zum darauffolgenden 31. März unter anderem mit warmer Kleidung und Decken.

Die Berliner Stadtmission freut sich über Ihre unterstützende  Sachspende:

montags bis freitags 8 bis 16.30 Uhr

Zentrum am Hauptbahnhof
Lehrter Str. 68
10557 Berlin

Besonders benötigt werden:

  • Unterwäsche
  • Socken
  • Handschuhe, Mützen, Schals
  • Winterschuhe
  • warme Oberbekleidung
  • Schlafsäcke und Isomatten
  • Kleiderspenden

Mehr auf der Website der Kältehilfe: www.berliner-stadtmission.de/kaeltehilfe

 

Kleidung minderer Qualität werfen Sie am besten in einen der zahlreichen Altkleider-Container in der Stadt. Da die Behälter meist von professionellen Unternehmen aus der Textilverwertungsbranche geleert werden - auch wenn der Behälter im Namen einer gemeinnützigen Institution aufgestellt wurde - werden die Alttextilien in der Regel entweder exportiert und als Second-Hand-Ware verkauft oder soweit möglich dem Recycling zugeführt. Bei Containern gemeinnütziger Organisationen kommt ein Teil der Erlöse aus Verkauf und Recycling sozialen Projekten zugute.

Achten Sie bitte darauf, dass es sich nicht um einen illegal aufgestellten Container einer möglicherweise dubiosen Organsiation handelt! Der Aufkleber mit den Angaben des Aufstellers kann ein Hinweis auf dessen Seriosität sein: Der Name der Organisation und eine Festnetznummer sollten klar angegeben sein und ggf. weitere Nachrecherchen zu den Unternehmen bzw. Einrichtungen ermöglichen. Handynummern sind dagegen ein Zeichen mangelnder Seriosität. Auch bei übertrieben gefühlsbetontem oder vordergründigem Werben mit christlichen Symbolen sind Zweifel angebracht.

Ist der Container voll, legen Sie die Ware nicht daneben. Benutzen Sie lieber einen anderen Behälter oder warten Sie bis nach der nächsten Leerung. Außerdem sollten Sie darauf achten, die Ware sinnvoll zu sortieren und keine Kleidung abzugeben, die nur schwer von Verunreinigungen befreit werden kann. Sie verhindern damit, dass zu viel tragbare Bekleidung mit der verunreinigten oder untragbaren Wäsche gemeinsam in der Schredder- oder Verbrennungsanlage verschwindet.

Nicht mehr tragbare Schuhe können Sie in die graue Restmülltonne schmeißen. Sie können getrost verbrannt und energetisch verwertet werden, da ein Recycling aufgrund der vielen unterschiedlichen und miteinander verarbeiteten Stoffe kaum möglich ist.

Selbst wiederverwenden: Dinge, die Sie nicht mehr tragen, können auch als Putztuch Weiterverwendung finden oder Sie nähen neue wertvolle Dinge daraus.

 

Was passiert mit meiner Kleiderspende?

Ihre Kleiderspende, die Sie in Container gemeinnütziger Organisationen werfen, wird später nicht unbedingt ohne Umweg an bedürftige Menschen verteilt. Oft finden die Sammlungen im Namen von Non-Profit-Einrichtungen statt, werden aber von kommerziellen Unternehmen durchgeführt. Das Unternehmen sammelt und verwertet die Ware dann im Namen der gemeinnützigen Einrichtung und zahlt dafür an diese Geld, welches für soziale Projekte verwendet werden kann. In Kleiderkammern wird versucht, für Ihre Spenden zunächst vor Ort einen bedürftigen Abnehmer zu finden. Auch hier geht ein Teil der Kleider dann aber an professionelle Verwertungsunternehmen. Diese exportieren  die Alttextilien in andere Länder, wo sie als Second-Hand-Ware verkauft werden oder führen - soweit möglich - nicht mehr Tragbares dem Recycling zu. So können zum Beispiel Putzlappen oder Auto-Innenverkleidungen (Fußmatten etc.) entstehen.

Der Grund: Für die großen Mengen an Kleiderspenden können die sozialen Organisationen in Deutschland bei Weitem nicht genug Abnehmer finden. Dagegen wächst die Nachfrage nach deutschen Alttextilien auf dem Weltmarkt stetig. In Afrika und Osteuropa tragen die Menschen häufig lieber Second-Hand-Kleidung aus Deutschland als billige Neuware aus Asien.

Ökologisch sinnvoll sind Wiederverwendung und Recycling von Altkleidern auf jeden Fall, da es hilft, wertvolle Ressourcen (Baumwolle, Wasser, Chemikalien), Energie und Emissionen einzusparen. Daneben werden auf dem Altkleidermarkt weltweit hunderttausende Arbeitsplätze geschaffen.
Eingewandt wird gelegentlich, der Export von Altkleidung beeinträchtige die regionale produzierende Textilwirtschaft in den ärmeren Ländern - z.B. in Ostafrika. Es gibt jedoch Studien, die das widerlegen. (Quelle: altkleiderspenden.de)
'FairWertung' fragt in seinem zweijährigen Dialogprogramm „Gebrauchtkleidung in Afrika“ Vertreterinnen und Vertreter afrikanischer Kirchen, Nichtregierungsorganisationen und anderer Gruppen nach deren Beurteilung der Second-Hand-Kleidung und kommt zu dem Ergebnis, dass gerade diese dem gemeinnützigen Handel mit Altkleidung positiv gegenüber stehen, da er es Menschen mit geringem Einkommen erleichtert, ihren Kleidungsbedarf zu decken.

Mehr zu Recycling und Wiederverwendung von Alttextilien erfahren Sie in unserem Hintergrund-Artikel.

 

Exkurs: Textil-Öko-Lables

Es gibt für Textilien eine zunehmende Anzahl von „Textil-Öko-Lables“. Diese Zeichen sagen  aber oft nur wenig oder gar nichts über die  ökologische  Verträglichkeit der Ware aus.  Vielmehr irritiert deren  steigende Anzahl den Verbraucher. Ihre Standards sind oft gering oder werden nicht unabhängig kontrolliert.
Die Aussagekraft der Labels, inwieweit die Kleidung den Abfallberg vergrößert, ist besonders gering, denn hierzu kommt es meist nicht auf Material und Produktlebenszyklus an. Ob und wann die Kleidung im Müll landet, hängt vielmehr von Mode, Tragegewohnheit der Konsumenten und von der Bereitschaft ab, ausgetragene Kleidung zur Altkleidersammlung zu geben.
Grundsätzlich lässt der weggeworfene „Öko-Pullover“ den Müllberg deutlicher anschwellen, als lange getragene und später recycelte Kleidung aus synthetischen Fasern.
Greenpeace gibt einen umfangreichen Überblick über die Labels:
Wie viel Bio steckt in Öko-Lables?

 
Container in der Kritik

In Berlin werden jährlich ca. 36.000 Tonnen Altkleider eingesammelt. Dazu stehen neben den 150 legalen registrierten Sammelcontainern zahlreiche illegale Container bereit. Schätzungen gehen von 1.500 bis 10.000 aus. Das heißt, ein Großteil der Container ist unangemeldet und illegal. Kritische Stimmen werden daher immer lauter :

radioBERLIN fragte sich schon im Jahr 2011: „Zu viele Altkleidercontainer in Berlin?“ Teilweise ähnelten sie Müllhalden: Tempelhof-Schöneberg lässt jetzt einige der 500 Container abräumen, Charlottenburg-Wilmersdorf vergibt Containerplätze nur noch per Ausschreibung. (Quellen: BZ Berlin, Radioberlin.de).
Laut Berlin-Magazin  will der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg aus städtebaulichen Gründen keine Altkleidercontainer mehr auf öffentlichem Straßenland und in Grünanlagen genehmigen. Die über 50 illegalen Container im Bezirk sind allerdings von der Reduzierung nicht betroffen (Quelle: Berlin-Magazin).
Die Prenzlauerberg-Nachrichten wissen, dass nun (2013) auch Pankow die Zahl der Container-Stellplätze deutlich reduzieren will: von 452 Sammelstellen auf rund 20 (Quelle: Prenzlauerberg-Nachrichten).

Trotz des "Wildwuchses" fehlt bislang ein stadtweites Konzept für die Aufstellung von Altkleider-Containern .

 

 

 

 

Links zum Thema

 

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