Blaue Tonne

Blaue AbfalltonnenInhalt

 

 
Die Blaue Tonne in Berlin

2013 wurden in Berlin 50 Kilogramm Altpapier pro Kopf aus Haushalten eingesammelt. Zusammen mit dem in Kitas, Schulen, Verwaltung und Gewerbe erfassten Altpapier kann somit jedes Jahr mehr als die Holzmenge des Grunewalds eingespart werden.

Allerdings wirft der Durchschnittsberliner auch 22 Kilogramm Papier pro Jahr in die graue Restmülltonne. Würde er sein Trennverhalten optimieren, so könnte jährlich zusätzlich die Holzmenge des Tegeler Forsts geschont werden. (Quellen: Abfallwirtschaftsplan Berlin - Teilplan Siedlungsabfälle, Trenntstadt Berlin)

Öffentlich aufgestellte Altpapiercontainer gibt es in Berlin schon seit vielen Jahren nicht mehr. Das Altpapier wird in blauen Tonnen direkt auf den Müllplätzen der Wohngebäude gesammelt. Mit der ALBA-Papiersortieranlage in Mahlsdorf sowie der neuen Anlage der BSR-Tochter Berlin Recycling sowie des privaten Anbieters Remondis in Neukölln kann der erste Schritt zum Recycling des Berliner Altpapiers direkt vor Ort geschehen.

Das gehört rein
  • Zeitungen, Zeitschriften, Magazine, Kataloge, Werbeprospekte
  • Verpackungen aus Pappe wie Pappschachteln, Kartons, Eierkartons, Wellpappe, Papiertüten, Packpapier
  • Hefte, Bücher ohne Kunststoffeinband, Schreib-, Computer- und Briefpapier, Briefumschläge mit und ohne Sichtfenster
Das gehört nicht rein
  • verschmutzte Verpackungen
  • beschichtete Papiere, Wachspapier, Verbundstoffe
  • Durchschlagpapier
  • nassfest imprägnierte und/oder geleimte Papiere und Pappen
  • Hygienepapier wie Taschentücher oder Küchenkrepp
  • Tapeten
  • Fotos
  • Getränkekartons

Informationen dazu, wie und welches Papier korrekt in die Blaue Tonne zu entsorgen ist und was nicht hinein gehört, erhalten Sie auch auf den Seiten von Trenntstadt Berlin, der BSR, Berlin Recycling.

 

Kosten für den Verbraucher

Da in der Blauen Tonne neben anderen Produkten aus Papier und Pappe auch Verpackungen aus diesem Material gesammelt werden, wird sie - wie die Wertstofftonne oder die Glastonnen - zumindest zum Teil über das sog. Duale System finanziert. Die Kosten für Abtransport und Verwertung der Verpackungsabfälle aus der Blauen Tonne werden bereits vom Produzenten auf den Verkaufspreis der Ware aufgeschlagen. Der Verbraucher hat die Entsorgung dafür also bereits beim Einkauf bezahlt. Dies gilt jedoch nicht für das Papier und die Pappe, die nicht aus Verpackungen stammen und in der Blauen Tonne landen. Daher muss der Verbraucher zusätzlich meist auch für die Abholung der Blauen Tonne zahlen. Den im Vergleich zur Restmülltonne niedrigen Preis entrichten Mieter in großen Mehrfamilienhäusern in städtischer Lage im Rahmen der Betriebskosten für ihre Wohnung. Am Berliner Stadtrand gibt es vor allem für Einfamilienhäuser zuweilen kostenlose Angebote für kleinere Tonnen (z.B. 120 oder 240 Liter) mit längeren Abholrhythmen.

TIPP: Zerreißen Sie große Kartons und/oder drücken Sie sie platt, damit die Blaue Tonne nicht zu schnell voll wird.

Der Altpapierpreis unterliegt am Weltmarkt starken Schwankungen. Bei hohen Weltmarktpreisen bieten viele Anbieter kostenlose Altpapiertonnen an. Sinkt der Altpapierpreis wieder, ist eine kostenfreie Tonne meist nicht mehr wirtschaftlich für die Entsorgungsunternehmen. Für aktuelle Informationen zur Altpapierentsorgung in Berlin steht der Berliner Abfallcheck (Kontakt) gern zur Verfügung.

Wer den Aufwand nicht scheut, kann sein gesammeltes Altpapier auch zu einer der zahlreichen gewerblichen Ankaufstellen bringen. Hier werden für Zeitungen, Zeitschriften, Werbung und Kataloge etwa 7 bis 10 Cent pro Kilogramm gezahlt. Dafür muss das Papier frei von Pappen, Folien und anderen Fremdstoffen sein.

 

Mit Altpapier die Umwelt schonen

Jeder Deutsche verbrauchte aktuell durchschnittlich 250 Kilogramm Papier. Für die Produktion dieser Menge allein aus Frischfasern würden etwa 400 Kilogramm Holz und 73.000 Liter Wasser benötigt. Bereits für die Herstellung der in Deutschland genutzten grafischen Papiere (Druck-/Schreib-/Kopierpapier) wäre damit jährlich die Abholzung einer Waldfläche in der Größe des Bundeslandes Baden-Württemberg erforderlich.

Um den Holzeinsatz und die mit der Papierherstellung einhergehende starke Schadstoffbelastung von Wasser und Luft zu verringern, lohnt sich der Gebrauch von Altpapier. Auch Energie- und Wasserverbrauch lassen sich durch das Papierrecycling deutlich reduzieren. (Mehr Informationen zum Thema Papierrecycling finden Sie in unserem Hintergrundkapitel.)

Weder der Begriff Recyclingpapier, noch Bezeichnungen wie Umweltschutzpapier sind rechtlich geschützt oder mit einheitlichen gesetzlichen Kriterien versehen. Durch eine Vielzahl irreführender firmeneigener Logos und Zertifikate mit unterschiedlich scharfen Kriterien ist es daher auch für den umweltbewussten Verbraucher nicht leicht, das ökologisch vorteilhafteste Papier zu finden. Nur wenige Labels garantieren zugleich einen 100-prozentigen Altpapiereinsatz und eine darüber hinaus schadstoffarme und umweltschonende Herstellung. Achten Sie beim Kauf daher auf folgende Kennzeichen:

  • Der Blaue Engel  - mit Schriftzug "weil aus 100% Altpapier" (BMU, UBA, RAL): 100% Altpapier, hohe ökologische Anforderungen bezüglich Bleich- und Färbemittel
  • ap / vup Original-Umweltschutzpapier (Herstellerverbund): 100% Altpapier, keine Bleiche, keine Entfernung von Druckfarben (De-Inking)
  • ÖKOPAPlus (firmeneigenes Logo): 100% Altpapier, keine Bleiche, kein De-Inking
  • Klimaschutzpapier (firmeneigenes Logo): 100% Altpapier, hohe ökologische Anforderungen bezüglich Bleich- und Färbemittel

Eine ganze Reihe weiterer Labels garantiert durch weichere Kriterien eine lediglich in Teilen umweltfreundliche Papierproduktion. Oft wird der Altpapiereinsatz nur zu einem bestimmten Prozentanteil bzw. gar nicht eingefordert. Andere Kennzeichen berücksichtigen dagegen weitere umweltrelevante Herstellungsmerkmale wie Schadstoffbelastung oder Holzherkunft unzureichend oder lassen diese völlig außer acht.

ACHTUNG: Einige Labels gibt es in verschiedenen Varianten mit unterschiedlich starken Umweltschutzanforderungen, so z.B. auch den Blauen Engel, die FSC- oder PEFC-Zertifizierungen.

Abzuraten ist von Produkten, die allein mit Kennzeichen wie "Aqua pro Natura", "Weltpark Tropenwald" oder "Paper by Nature" versehen sind. So ist z.B. der Hinweis darauf, dass das für die Produktion des Papiers verwendete Holz nicht aus Tropenwäldern stammt, nur scheinbar ein ökologischer Fortschritt. In Deutschland werden in der Papierherstellung nämlich in aller Regel sowieso keine Tropenhölzer verwendet. Dagegen ist durchaus die (umweltschädliche) Nutzung von Holz aus nördlichen Urwäldern möglich.

Auch die Ausweisung eines Papierprodukts als "Chlorfrei gebleicht" deutet nicht auf besondere Umweltfreundlichkeit hin. Sie besagt lediglich, dass zur Bleiche nicht Elementarchlor verwendet wurde. Dies gehört in Deutschland mittlerweile zum technischen Standard. Der Schriftzug bedeutet aber nicht unbedingt den Verzicht auf Chlorverbindungen. Diese werden nur durch die Formulierung  „100% chlorfreie Bleiche“ sicher ausgeschlossen.

Eine weitere Verbrauchertäuschung stellt die Verwendung des Begriffs "holzfrei" dar: Keineswegs bedeutet sie einen 100-prozentigen Altpapieranteil. Sie besagt lediglich, dass das Papier vollständig aus Zellstoff besteht. Dieser wurde aber wiederum aus Holz gewonnen.

Mehr Informationen und eine bildliche Darstellung der relevanten Labels finden Sie auf den Seiten der Verbraucherzentrale NRW sowie der Greenpeace Gruppe Aachen. Eine Übersicht der Kennzeichen bieten außerdem die Stadt Mainz und die Seite papierkoffer.de.

 

Weniger Papier verbrauchen

Vor dem Hintergrund der enormen Umweltbelastungen bei der Herstellung von Papier gilt es vor allem, den Verbrauch zu reduzieren. Erste Ansatzpunkte dafür könnten sein:

  • Aufkleber "Bitte keine Werbung!" an den  Briefkasten
  • gegen Werbung (auch per Fax usw.) durch einen Eintrag in die Robinsonliste vorgehen
  • beim Druckerkauf auf die automatische Duplex-Funktion (beidseitiges Drucken) achten
  • nur einseitig genutztes Papier als Schmierpapier verwenden
  • auf Einweg-Pappgeschirr und -becher verzichten
  • Bücher ausleihen statt kaufen
  • Zeitungen und Zeitschriften gemeinsam mit Nachbarn oder Mitbewohnern abonnieren
  • alte Bücher spenden und gebrauchte Bücher kaufen (z.B. beim Berliner Büchertisch)
  • alte Bücher verkaufen
     

Mehr Informationen zum Thema Müllvermeidung finden Sie hier.

 

Bildnachweis: © Andreas Pützer

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