Hält keinen Sommer – Obsoleszenz

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Die teure Markenjeans - Sommerkollektion 2015 – hat schon Löscher an den Knien und am Gesäß. Letzteres vielleicht vom Fahrradfahren.  Vielleicht hätte der Verkäufer darauf hinweisen sollen, dass dies eine 4-Monats-Hose ist und nicht zum Fahrradfahren geeignet. Vielleicht gehen Handel und Produzent auch davon aus, dass man eine teure Fashion-Jeans sowieso nur ein paar Monate lang tragen will.
Immerhin gibt es Leute, die zahlen beim nächsten Kauf wieder 150,00 € für solch ein Shortlife-Kleidungsstück derselben Marke – ist ja trendy.

Was ist Obsoleszenz

Egal! Die Jeans hat sich erledigt. Sie ist „obsolet“. Man spricht hier von „Obsoleszenz“.
Meistens ärgern wir uns über eine Obsoleszenz, besonders wenn sie scheinbar oder offensichtlich vom Hersteller gewollt ist.
Geplante Obsoleszenz liegt nahe, wenn das Handy kaputt geht, just nachdem die Garantiezeit abgelaufen ist.
Auch wenn der Drucker meldet, dass die Tintenkartusche leer sei, obwohl ganz offensichtlich noch Tinte drin ist, kann man geplante Obsoleszenz vermuten. Sie macht für den Produzenten Sinn, weil er an Tinte oft mehr verdient als am Drucker selbst.

Aber auch wenn der Drucker nach gut zwei Jahren nicht mehr funktioniert, wundert sich keiner. „Geplante Obsoleszenz“ bedeutet, dass der Verbrauch, der Verschleiß oder der Defekt eines Produktes vom Hersteller geplant ist. Im weiteren Sinne sind damit auch Verpackungen gemeint, die aufgrund ihrer Beschaffenheit (zum Beispiel Verschluss) schnell entleert sind oder sich nicht wieder verschließen lassen.
Eine Flasche Spül- oder Putzmittel, sobald sie leer ist, ist ebenso obsolet wie der kaputte Fernseher. Der Hersteller entscheidet mit, wann sich das Putzmittel erledigt hat, denn je größer die Öffnung, desto schneller ist die Flasche leer. Dies ist so bei Pasten und Cremes in Tuben, bei Seifen und Lotionen im Spender und und und.  
Auch wenn sich eine Packung nicht wiederverschließen lässt, kann der Hersteller davon ausgehen, dass die Ware schneller aufgebraucht wird, als wenn sie sich sicher wiederverschließen ließe.

Dem Produzenten ist nämlich daran gelegen, dass der Kunde bald wieder ein neues Produkt kauft. Dies gilt bei Elektrogeräten und Kleidungsstücken ebenso wie  bei  Haushaltsmitteln, und praktisch allen andern Waren.
Klar ist, dass der Hersteller so besser verdient. Klar aber auch, dass der Verbraucher so zu Mehrausgaben gedrängt werden soll. Klar ist außerdem, dass so mehr Ressourcen verbraucht werden und mehr Müll anfällt.

Was kann der Verbraucher tun?

Was sollte der Verbraucher also tun? Er sollte darauf achten, dass er keine Produkte kauft, deren Verwendbarkeit durch geplante Obsoleszenz künstlich verkürzt wir.
Bei vielen Produkten – etwa Elektroartikeln – lässt sich erst hinterher feststellen, dass sie prompt zum Ende der Garantiezeit kaputt gehen.
Dann sollte man das Gerät reparieren lassen, statt ein neues zu kaufen. Ist dies nicht möglich oder zu teuer, dann  ist angeraten, bei der Neuanschaffung die Marke zu wechseln, denn wenn die Kunden wegbleiben, wird der Produzent auch seine Geschäftspolitik ändern.
Man sollte also auch darauf achten, dass sich ein Gerät zur eventuell notwendigen Reparatur öffnen und wieder verschließen lässt. Dies ist meist der Fall, wenn das Gehäuse verschraubt ist – statt verklebt. Optimal ist bei Elektrogeräten, wenn noch ein Schaltplan beiliegt.

Sehen Sie sich mechanisch bewegliche Teile genau an. Sind sie robust? Ist das Produkt aus hochwertigem Material verarbeitet?
Manche Billig-Ware bestehend aus verklebtem Plastik entpuppt sich bereits beim ersten genauen Blick als Wegwerfprodukt, das den Cent nicht wert ist.
Es kommt vor, dass ganz bewusst Schwachstellen in den Artikel eingebaut werden, durch minderwertige Bauteile oder Materialien.
Ein fest verbauter Akku macht Ihr Elektrogerät zum Wegwerf-Gerät. Es ist eine Frage der Zeit bis ein Akku die benötigte Ladekapazität verloren hat.
Manche Marken-Hersteller verhindern durch einen Chip, dass man statt der Originalprodukte Refill-Kartuschen oder Nachbau-Akkus einsetzt.

Eine andere Strategie soll den Verbraucher nötigen, ein neues Gerät zu kaufen, nur weil neues Zubehör auf den Markt gekommen ist, das aufgrund fehlender Kompatibilität nur mit dem neuen Folgegerät funktioniert.
Wir erinnern uns noch an die Zeiten als jedes Handy und jede neue Version eines Handys einen speziellen Stecker für das Ladekabel besaß.
Achten Sie also beim Kauf darauf, dass Anschlussmöglichkeiten von Zubehör standardisiert sind, damit auf Ihr Samsung-Smartphone auch die Ohrhörer vom I-Phone passen und damit Sie das Gerät auch mit einer Station von Sony laden und benutzen können.
Nicht nur das Zubehör sollte zu mehreren Geräten kompatibel sein, sondern auch die Software. Fragen Sie den Händler!

Oft wird versucht, den Verbraucher zu nötigen, mehr Verbrauchsmaterial zu kaufen, als notwendig.
Ein Drucker zeigt möglicherweise an, die Tinte sei aufgebraucht obwohl dies noch nicht der Fall ist.  Dann ist wahrscheinlich die Software entsprechend programmiert. Oft lässt sich das Problem lösen, indem man die Kartusche heraus nimmt und wieder einsetzt. Dann „denkt“ nämlich der Drucker, er hätte eine neue Kartusche bekommen und druckt noch einige Seiten – bis die Tinte wirklich aufgebraucht ist.
Auch Flaschen und Tuben können dazu verführen, mehr Paste oder Flüssigkeit zu verbrauchen und zu kaufen, nämlich wenn sie durch Form und Größe der Öffnungen schneller entleert sind.

Achten Sie auf all diese Tricks beim Einkauf und bei der Verwendung der Produkte. Sie sparen viel Geld und schonen dabei die Umwelt.

Es gibt noch weitere „Obsoleszenz-Tricks“ auf die Sie nicht reinfallen müssen

Auf seiner Website www.murks-nein-danke.de behandelt Stefan Schridde das Thema ausführlicher.

Unter anderem unterscheidet er zwischen: Funktioneller Obsoleszenz, Optischer Obsoleszenz und Psychologischer Obsoleszenz.
Wenn Sie sehr bewusst einkaufen, dann werden Sie auch auf solche Geschäftsstrategien achten. Der Hersteller kann nicht nur durch vorprogrammierte Dysfunktion eines Artikels dafür sorgen, dass der Kunde sich ein neues Produkt kauft:
Nicht nur wenn mein Gerät kaputt ist, bin ich geneigt, mir ein neues zu kaufen, sondern auch wenn es gammelig, alt oder nur altmodisch aussieht. Dagegen können Sie vorbeugen indem Sie beim Kauf auf wertige Materialien und auf ein zeitloses Design achten.

Hier setzt auch die psychologische Obsoleszenz an. Das Marketing versucht Ihnen zu suggerieren, Ihr Produkt sei nicht mehr trendy. Es sei obsolet und Sie benötigten ein neues.
Gehen Sie einfach tief in sich hinein, und fragen sich selbst, ob ein Neukauf tatsächlich notwendig ist. Sie können so viel Geld sparen und beim nächsten Einkauf achten sie außerdem darauf, dass Sie zu einer Jeans greifen, die in der kommenden Saison noch tragbar ist und vielleicht auch beim Radeln keine Löscher bekommt.
Auch Baumwolle ist ein wertvoller Rohstoff, dessen Herstellung Ressourcen verbraucht und umweltschädliche Emissionen verursacht.

 

Autor: Andreas Pützer
Bildnachweis: ©
Andreas Pützer

 

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