Repair-Café Kunst-Stoffe erhält Berliner Umweltpreis des BUND

Das Repair Café Kunst-Stoffe ist Gewinner des Berliner Umweltpreises 2013. Die ehrenamtliche Initiative setzte sich in der Kategorie „Umweltengagement“ gegen zahlreiche weitere spannende Berliner Projekte durch und erhielt ein Preisgeld in Höhe von 3.000 Euro. „Wir freuen uns über die Auszeichnung und planen Repair Cafés in allen Berliner Bezirken zu initiieren“, so Elisa Garrote Gasch, Organisatorin des Repair Café Kunst-Stoffe in Kreuzberg. In den letzten neun Monaten haben sich schon vier weitere solcher Cafés gegründet. „Mit dem Geld werden wir neue Werkzeuge besorgen“, freut sich Ludger Kemper, der im Repair Café Kunst-Stoffe schon viele Elektrogeräte wieder funktionsfähig gemacht hat, „dann können wir den Leuten in Zukunft noch besser helfen!“

Erst Anfang dieses Jahres wurde das Repair Café vom Verein „Kunst-Stoffe Zentralstelle für wiederverwendbare Materialien“ gegründet und kann schon auf eine rasante Erfolgsgeschichte verweisen. Denn offensichtlich haben die Berlinerinnen und Berliner nur darauf gewartet, dass das erste Repair Café entsteht. Die Macher des Repair Cafés, Elisa Garrote Gasch und die ehrenamtlichen Techniker setzen einen Gegenpol zum breiten Konsumtrend - sie ermöglichen es, dass Interessierte kostenlos professionelle Unterstützung bei der Reparatur von Elektrohaushaltsgeräten erhalten können. Oft ist es nur eine Kleinigkeit, die die Geräte außer Betrieb setzt. Aber trotzdem bedeutet dies meist, dass die Geräte auf dem Müll landen nach dem Motto: Wenn etwas defekt ist, wird es weggeworfen und ein neues Gerät gekauft, reparieren lohnt nicht.

Das Repair Café zeigt, wie es anders gehen kann. Elisa Garrote Gasch stellt dazu jeden ersten Montag ihr Atelier als Werkstatt für die ehrenamtlichen Techniker und Besucher zur Verfügung und kümmert sich um die Organisation. Schon jetzt sind die monatlichen Termine so gut besucht, dass die „Kunden“ sich anmelden müssen. 20 Reparaturen können mit den ehrenamtlichen Technikern im Schnitt bei ihrem monatlich stattfindenden Repair Café durchgeführt werden. Insgesamt haben ca. 160 TeilnehmerInnen mindestens ein Gerät mitgebracht, etwa 70 Prozent der Geräte konnten repariert werden. Die Liste an Geräten, die bereits ein zweites Leben erhielten, reicht von Schreibtischlampen, Radios, Wasserkochern, Druckern, Plattenspielern, CD-/DVD- und VHS-Playern, LCD-TVs, über Telefone, Kaffee-Pad-Maschinen, Festplatten und Laptops, bis hin zu Entsaftern, oder Fotoapparaten.

Die Kunden gehen oft nicht nur mit einem reparierten Mixer, Camcorder oder DVD-Player nach Hause, sondern haben nicht selten zum ersten Mal einen Blick in das Innere ihres Gerätes geworfen. Denn die Techniker reparieren nicht, sondern erklären den Besitzern, was defekt ist, warum und wie es behoben werden kann. Andere Besucher, die schon Reparaturerfahrung haben, beraten nicht selten Neulinge. Aber nicht nur die Hilfe zum Selbstreparieren nehmen die Besucher mit, häufig wird beim nächsten Kauf darauf geachtet, ob das Gerät „reparaturfreundlich“ ist. Dies ist nicht unwichtig, denn oftmals ist seitens der Hersteller für viele Geräte gar keine Reparatur vorgesehen. So kommen beispielsweise Produkte auf den Markt, die verschweißt oder vernietet statt aufschraubbar gestaltet sind.

Die Philosophie, die hinter dem Repair Café steht, ist ebenso einleuchtend wie umweltverträglich: Es geht darum, den Lebenszyklus von Produkten zu verlängern und gleichzeitig ein umweltbewussteres Konsumverhalten zu fördern. Nebenbei bietet das Repair Café einen Ort des sozialen Austausches und fördert Kreativität sowie handwerkliches Know-how.

Die Jury hat das Repair Café Kunst-Stoffe ausgezeichnet, weil die Macherinnen und Macher mit großem ehrenamtlichen Engagement auf ganz praktische Art und Weise das Bewusstsein für Nachhaltigkeit und ein anderes Konsumverhalten stärken. Das Repair Café konnte die Jury überzeugen, dass es viel mehr vollbringt, als defekte Dinge wieder funktionstüchtig zu machen. Es nimmt die Menschen mit und unterstützen sie dabei, nicht nur wieder ein funktionierendes Gerät mit nach Hause zu nehmen, sondern dem gängigen Konsumverhalten praktisch etwas entgegensetzen zu können. Dazu braucht es Kreativität, Know-how und die Fähigkeit, anderen Neues beizubringen. Freude, Spaß und auch Stolz sowohl bei den Technikern als auch bei den Besucherinnen und Besuchern sind beste Motivationsgeber, ein anderes Verhältnis zu den Dingen und unserem Konsumverhalten zu entwickeln.

Weitere Preisträger des Berliner Umweltpreises 2013 sind der Berliner Energietisch und die Genossenschaft BürgerEnergie Berlin. Im Bereich „Kinder und Jugend“ siegte die Kingkong-Klasse 7a der Mariannen Buggenhagen-Schule für Körperbehinderte. Sie kümmern sich darum, einen Abschnitt des Flüsschens Panke sauber zu halten. Der BUND Berlin verleiht den Berliner Umweltpreis in diesem Jahr bereits zum neunten Mal an hervorragende, beispielgebende und bisher einmalige Leistungen im Umweltbereich in der Stadt.

Weitere Infos:

Repair Café Kunst-Stoffe

www.kunst-stoffe-berlin.de

Termine aller Repair Cafés in Berlin und ganz Deutschland

www.Berliner-Umweltpreis.de

www.bund-berlin.de

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